Sacher-Druck GmbH

Verlag "Der Ringer" 

29.03.2016

Frauenvollversammlung des Landessportverbandes Baden-Württemberg e.V. mit einem starken Vortrag über Werte in Vereinen und Verbänden von Dorothea Oldak

Am 19.3.16 fand die Versammlung in der Südbadischen Sportschule in Steinbach statt. Einige Sportverbände waren nicht anwesend, RINGEN war mit Dorothea Oldak vom SBRV und Martina Göhringer vom WRV sehr gut vertreten. Margarete Lehmann, Vorsitzende des LSV-Ausschusses Frauen im Sport und Dieter Schmidt-Volkmar, Präsident des LSV begrüßten alle anwesenden Verbandsmitglieder. Im Delegiertenteil fanden Neuwahlen statt. M. Lehmann und ihr Gremium wurden einstimmig für die nächsten drei Jahre wiedergewählt. Ein Entwurf für Änderungen in der Geschäftsordnung der Frauen im Sport wurde gemeinsam diskutiert und beschlossen, dieser wird dem LSV zur Abstimmung vorgelegt.
Prof. Dr. Ulrike Korsten-Reck, Ärztin der Universitätsklinik Freiburg berichtete vom Projekt „9 + 12 Schwangerschaft und erstes Lebensjahr – gemeinsam gesund“. Zunächst ging es um Sport in der Schwangerschaft. Frau Korsten-Reck verdeutlichte mit unterschiedlichen Studien, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft sportlich aktiv waren, im Regelfall später auch die sportlicheren Kinder wurden. Bewegt sich die Mutter, bewegt sich das Ungeborene und so wird dem Kind die Bewegung bereits mit in die Wiege gelegt. Übergewicht hat viele Einflussfaktoren, so spielen insbesondere die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten sowie der Medienkonsum der Eltern eine große Rolle. Kinder, deren Eltern den Spaß am Sport vorleben, erleben Sport als etwas Normales, das zum Alltag gehört und nicht als Pflichtprogramm. Mit den Worten „Sitzen ist das neue Rauchen – Bewegung und Sport sind wichtig, dies können wir alle vorleben“ beendete Frau Korsten-Reck ihre Ausführungen.
Einen sehr interessanten Vortrag hielt Jutta Hanning, akademische Oberrätin der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Das Thema lautete „Alles was ich kann zählt“. P1090053 (2).jpg
J. Hanning begann mit dem Worten „heute sind hier viele Frauen anwesend, Frauen lieben in der Regel Schuhe“ und Vereins- und Verbandsarbeit kann man mit Schuhen vergleichen. Wo drückt der Schuh, welchen Abdruck hinterlasse ich mit meiner Arbeit, welchen Weg gehen wir gemeinsam, sind die Schuhe meines Vorgängers für mich vielleicht zu groß. Frauen sind genau aus diesem Grunde weniger in Führungspositionen zu finden (31 % Frauenanteil im LSV als Verbands-/Vereinsvorsitzende bzw. Trainerinnen), weil sie vieles hinterfragen, sich zu viel sorgen, Angst haben, nicht gut genug zu sein, nicht wissen – wie sie unterschiedliche Rollen (Mutter, Ehefrau, Beruf und Verein) unter einen Hut bekommen sollen.

J. Hanning, die auch bei zahlreichen internationalen Kongressen Vorträge hält, ist sich sicher, dass wir vieles gemeinsam schaffen können, wenn es uns Spaß macht, wenn wir unsere Stärken entdecken, wenn wir voneinander lernen und wenn wir unsere Werte definieren können. Sie stellte die Frage, wer Werte für sich oder für seine Organisation definiert hat und mehr oder weniger mussten alle Anwesenden die Frage verneinen. Natürlich sind Werte definiert, aber dies meist unausgesprochen.
Unser Umfeld besteht aus unterschiedlichsten Systemen und jedes System hat andere Werte. Im Verein akzeptieren wir Grenzen, haben Ziele, Regeln, bilden Identitäten. Weitere Systeme mit Werten sind z.B. die Wirtschaft (ARM oder REICH), die Religion (GLAUBEN oder NICHTGLAUBEN), die Wissenschaft (WAHR oder UNWAHR) oder der Sport (SIEGEN oder VERLIEREN).
 
Hieraus wird ersichtlich, wie komplex Systeme sind. Es kommt immer darauf an, in welchem System wir uns gerade befinden, aus welcher Sicht wir etwas betrachten. Doch nur wenn wir Verständnis für die einzelnen Systeme entwickeln, gelingt eine gute Zusammenarbeit über die eigene Ebene hinaus.
Im Sport, in den Vereinen, in den Verbänden benötigen wir Leitbilder. Viele Werte sind unausgesprochen wie z.B. wir geben uns die Hand, wenn wir in die Halle kommen, etc., doch welche Werte gibt es außerdem und wer kennt diese, insbesondere wenn die „Älteren“, die uns ihre Werte vorleben, eines Tages nicht mehr im Verein sind.
Da Wahrnehmungen täuschen können, ist es, so J. Hanning wichtig, einen Ehrenkodex oder Leitlinien innerhalb der Organisation schriftlich zu definieren. Welche Werte sind uns wichtig, was möchten wir erreichen, was sind unsere Ziele? Jeder kennt die unterschiedlichen Werte wie Ehrlichkeit, Respekt, Hilfsbereitschaft, Verantwortungsgefühl, Vertrauen, Höflichkeit, Friedfertigkeit, Fair Play, Solidarität, Toleranz, Integration – doch im Regelfall stehen sie nirgends geschrieben und was nicht geschrieben ist, ist schwierig einzufordern.
Wie unterschiedlich Menschen über nicht Ausgesprochenes denken und wie sie damit umgehen, wurde in einem Spiel deutlich. In sechs Gruppen aufgeteilt erhielt jede Gruppe eine Tüte mit Bastelmaterial. Aufgabe war: “Bastelt etwas, es müssen alle Materialien verwendet werden, ihr dürft jedoch nicht sprechen”. Jede Gruppe hatte die gleiche Anzahl an Teilnehmerinnen, jede das gleiche Material und doch kamen am Ende sechs völlig unterschiedliche “Werke” dabei heraus.
Eine Organisation zu führen benötigt Wissen (Vorkenntnisse, Fakten), Können (Fähigkeiten, Fertigkeiten) aber auch das Wollen bzw. die Willenskraft von Menschen, die sich gegenseitig respektieren und unterstützen.

Admin - 10:38:03 @ Baden | Kommentar hinzufügen